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Home Office

Home Office: Vom Küchentisch zum Büro

2. November 2020 Veröffentlicht von Jana Greyling

Dieses Interview mit Raphael Dörr, SVP Corporate Communications & Investor Relations bei Gigaset wurde am 29. September 2020 auf funkschau.de veröffentlicht. Das Interview zu dem Thema Home Office und die Auswirkungen der Pandemie auf den Alltag im Unternehmen führte Diana Künstler.

Für viele Unternehmen ging die Corona-Pandemie mit einer raschen Verlegung aller notwenigen Kommunikations- und Arbeitsprozesse ins Homeoffice einher. Welche Vor- und auch Nachteile sehen Sie in dieser Entwicklung?

Das Thema Home Office wir aus meiner Sicht aktuell noch relativ oberflächlich geführt. In Deutschland dominierte bis zur Corona-Pandemie eine vergleichsweise starke Office-Kultur, die abrupt zum Schutz der Mitarbeiter auf Home Office umgestellt werden musste. Entsprechend wurde mit dem Home Office in der aktuellen Diskussion vor allem Sicherheit assoziiert. Unter Umständen mögen gewisse Komfortfaktoren als Vorteil angesehen werden: Arbeitswege entfallen, Kosten reduzieren sich und man kann effizienter arbeiten, da sich bürobedingte Ablenkungen reduzieren. Auf der Negativseite mag eine heimliche Kostenverlagerung auf den Arbeitnehmer bemängelt werden, ebenso wie eine fehlende Ausstattung und Ausrüstung. Es ist eine Sache einmal die Woche Home Office am Küchentisch zu machen, oder sich dort über Monate zu organisieren, weil in vielen urbanen Wohnverhältnissen keine dezidierten Arbeitsplätze, erst recht nicht für zwei Arbeitnehmer vorgesehen sind.

Und dennoch sind diese Vor- und Nachteile zu kurz gegriffen. Die Corona-Pandemie beschleunigt aus meiner Sicht Entwicklungen, die sich bis 2030 vollzogen hätten und holt diese nun gewaltsam und beschleunigt ins Jahr 2020. Die Vor- und Nachteile werden sich entsprechend bei ganz anderen Fragestellungen zeigen. Wie werden die Menschen mit der Vereinsamung umgehen, wenn der tägliche Austausch im Büro fehlt? Wie sorgt man dafür im Unternehmen gesehen zu werden und wie behalten Führungskräfte ein subjektives Gefühl von Kontrolle? Wie sichern Unternehmen den Informationsfluss zu den Mitarbeitern und wie kann – in einem extremen Szenario – das Zuhause zum Office werden? Die Chancen stellen sich analog zu den Fragestellungen dar. Entsprechend werden nur Unternehmen erfolgreich durch die Krise gehen und die Zeit danach erfolgreich meistern können, die sich der Digitalisierung öffnen, in denen objektive Leistungsbeurteilungen und messbare Ergebnisse wichtiger als subjektive Beziehungen und Gefälligkeitsstrukturen sind und eine Führungskultur vorherrscht, in der Vertrauen und Wertschätzung fest verankert sind.

Welche grundsätzlichen Aspekte gilt es nun von Unternehmensseite aus zu beachten, damit vermeintlich im Homeoffice eingeführten Verbesserungen der Kommunikation auch über die Krisenzeit hinaus Bestand haben? (Stichwort Unternehmenskultur, agiles Arbeiten, Infrastruktur , etc.)

Da gibt es eine ganze Reihe von Themen, die jetzt in den Fokus treten. Ich denke aber, dass die Unternehmenskultur der Schlüssel für Erfolg oder Misserfolg ist. Wenn eine Kultur offen für Veränderung ist und jede Veränderung proaktiv als Chance für das Unternehmen begreift, wird diese Kultur konsequenterweise ganz von allein Prozesse entwickeln, die agiles Arbeiten und entsprechende technologische Infrastrukturen zulassen.

Wird mobile Arbeit als potenzieller Kontrollverlust betrachtet oder sollten Führungskräfte Misstrauen gegenüber Mitarbeitern hegen, ob sie im Home Office gleich viel leisten wie im Büro, wäre ich in Sorge um das Unternehmen. Arbeit im modernen Kontext bedeutet doch viel mehr, dass sich motivierte und engagierte Menschen in einer Organisation zusammenschließen, um gemeinsam übergeordnete Ziele zu verfolgen und so dafür zu sorgen, dass das Unternehmen wächst und prosperiert und darüber auch das eigene Vorankommen zu sichern.

Unterstellt man einen solchen Typus Mitarbeiter, kann man sich darauf verlassen, dass dieser – egal ob im Büro, im Home Office oder dank 5G unter freiem Himmel auf der Wiese –  seine Leistung erbringen wird, weil er sich freiwillig und motiviert in und für das Unternehmen einbringt. Entsprechend könnten wichtige Investitionen der Zukunft sich dahingehend orientieren die technologische Ausstattung für alle Mitarbeiter auf ein angemessenes Niveau zu bringen und stets up to date zu halten. Dazu zählen beispielsweise Notebook, Headset, Smartphone, Datenvolumen, Tischtelefon und eine schnelle Datenleitung zu Hause. Das alles kann Bestandteil der neuen Grundausstattung von Mitarbeitern werden. Ich denke sogar an Zuschüsse für kompakte Bürotische und ergonomische Stühle für das Home Office – wenn das seitens der Mitarbeiter möglich und gewünscht ist.

Welchen Stellenwert nimmt in diesem Zusammenhang im Speziellen die professionelle Telefonie ein? (die Rolle der Telefonie, entscheidende Funktionen, skalierbare Systeme, VoIP)

Einen sehr großen und sehr wichtigen Bestandteil. Lassen Sie uns ein Szenario entwerfen, bei dem die Digitalisierung und flexible, mobile Arbeitsmodelle weiter an Popularität gewinnen. In diesem Fall wird es eine Entwicklung dahingehend geben, dass die zukünftigen, voll flexiblen Arbeitsplätze vor allem aus der Cloud kommen, bzw. über Cloud-Funktionalitäten abgewickelt und bedient werden. Was aber bleiben wird, z.B. im Kontext des Home Office, ist das Endgerät. Hier bieten sich nach wie vor klassische Bürotelefone, ob als Tischtelefon oder Mobilteil an, da sie gewisse TK-Leistungsmerkmale, wie z.B. Rückruf bei Besetzt etc. am besten bedienen können. Zukünftig wird der Mitarbeiter im Home Office dann seitens Arbeitgeber ein entsprechendes Endgerät bekommen, das er bei sich zu Hause an den Router anschließt. Via IP und Auto-Konfiguration wird der Cloud-Dienst gefunden, die Software bzw. die Kontakte gesendet und der Mitarbeiter kann von wo aus er möchte arbeiten. Wer nun sagt, dass aber auch Smartphones eine Alternative sind, so ist das zu einem gewissen Teil richtig. Hier geht es dann vor allem um eine App-basierte Omni-Channel-Präsenz, ähnlich wie sie z.B. bei Circuit von Unify zur Anwendung kommt. Messenger Funktionen werden das Angebot hier ergänzen und abrunden. Aber – und deswegen bin ich davon überzeugt, dass das Telefon in flexiblen Arbeitswelten einen starken Zuspruch erhalten wird – die Stimme wird zum zentralen, emotionalen Träger der Verbindung zwischen Menschen werden. Wenn man sich beruflich nicht mehr so oft sehen kann, wie es bislang der Fall war, werden reines Messaging oder E-Mails nicht reichen. Der Mensch als soziales Wesen braucht eine Verbindung zu seinen Dialogpartnern und das wird durch die Stimme geschehen.

Inwiefern unterstützt Gigaset als Hersteller von Desktop- und Schnurlostelefonen für den Business-Bereich seine Kunden beim Unterfangen „Meistern des Paradigmenwechsels“?

Wir unterstützen unsere Kunden damit, dass wir sie in allen Belangen begleiten und mit Produkten bedienen. Außer Gigaset kenne ich keinen Hersteller, der den kompletten Bogen von privater Kommunikation im Zuhause bis hin zur geschäftlichen Telefonie schlägt und gleichzeitig auch noch mobile Lösungen, wie wir mit unseren Smartphones, anbietet. Zeitgleich verschmelzen wir die Bereiche immer stärker, wie oben eben beschrieben. Das Home Office wird quasi ein erweitertes Office. Gleichzeitig steht Gigaset auch für eine Konstante in der Kundenbeziehung. Ich habe ja bereits erwähnt, dass sich alles, was sich zwischen Telefonanlage und Endgerät befindet, zukünftig rasant wandeln wird. Hier wird es in der TK-Szene noch einiges an Disruption geben. Gigaset aber steht seinen Kunden mit den Endgeräten als unveränderter Anbieter von Kommunikationsgeräten in jeder Situation und Lebenslage zur Seite – nur, dass auch wir unsere Geräte jeden Tag etwas besser machen und weiterentwickeln.

Mund-Nasen-Schutz, Desinfizieren der Hände, Niesen in die Armbeuge: Covid-19 hat unter anderem zu einem verstärkten Hygienebewusstsein beigetragen. Gigaset hat diesen Trend in die Entwicklung seiner Geräte einfließen lassen. Wie genau manifestiert sich das? Und welche Herausforderungen brachte das in der Produktentwicklung mit sich? (Stichwort Desinfektionsmittelbeständigkeit als neues USP)

Glücklicherweise haben wir mit einigen Modellen das Thema Desinfektionsmittelbeständigkeit schon vor der Corona-Pandemie adressiert. Gigaset Lösungen kommen im professionellen Umfeld facettenreich vor. Egal ob Restaurantgewerbe, Hotellerie, Kongresszentren, Werkstätten oder Krankenhäuser und Arztpraxen. Es gibt viele Anwendungsgebiete, in denen eine regelmäßige Desinfektion der Geräte zu den Anforderungen des Kunden gehört.

Da dieses Leistungsmerkmal bei unseren Geräten bereits vorhanden war, konnten wir während der Corona-Pandemie entsprechend davon profitieren. Perspektivisch wird sich unsere Produktentwicklung damit beschäftigen, diese Eigenschaft in weiteren Produkten zu realisieren. Allerdings ist das Einarbeiten entsprechender Materialeigenschaften komplexer als mancher vermuten mag. Unsere Forschungs- und Entwicklungsabteilung hat sich lange damit beschäftigt ein optimales Verfahren zu entwickeln und dieses – ohne Veränderung der Oberflächenstrukturen und Haptik – in das Produkt einzubringen.

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